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Aminosäuren und das Immunsystem: Die Zusammenhänge erklärt

Wie Protein und einzelne Aminosäuren mit dem Immunsystem zusammenhängen und was eine ausreichende Versorgung dafür wirklich bedeutet.

Aminosäuren und das Immunsystem: Die Zusammenhänge erklärt

Das Immunsystem besteht aus einem Zusammenspiel vieler Zelltypen und Eiweißstoffe, von Antikörpern über Botenstoffe bis zu den Zellwänden der Abwehrzellen selbst. Da all diese Strukturen letztlich aus Protein bestehen, ist eine ausreichende Versorgung mit Aminosäuren eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Immunsystem. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass zusätzliche Aminosäurenpräparate die Abwehrkräfte über das normale Maß hinaus steigern.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie Protein und Immunsystem zusammenhängen, welche einzelnen Aminosäuren in der Forschung häufiger genannt werden und wann eine gezielte Ergänzung tatsächlich sinnvoll sein kann.

Das Immunsystem lässt sich grob in ein angeborenes und ein erworbenes Abwehrsystem unterteilen. Das angeborene System reagiert schnell, aber unspezifisch auf Eindringlinge, das erworbene System bildet dagegen gezielte Antikörper gegen bereits bekannte Erreger und verfügt über ein Gedächtnis für frühere Infektionen. Beide Systeme sind auf eine ausreichende Zufuhr von Aminosäuren angewiesen, um die benötigten Zellen und Eiweißstoffe in ausreichender Menge bilden zu können.

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Warum das Immunsystem auf Protein angewiesen ist

Antikörper, viele Botenstoffe des Immunsystems und die Zellwände von Lymphozyten und anderen Abwehrzellen bestehen aus Eiweiß. Bei einer Infektion muss der Körper in kurzer Zeit große Mengen dieser Proteine neu bilden, um Erreger zu erkennen und unschädlich zu machen. Ein anhaltender Proteinmangel kann deshalb die Neubildung von Immunzellen und Antikörpern verlangsamen und die Infektanfälligkeit erhöhen, das ist gut belegt, insbesondere bei ausgeprägter Mangelernährung.

Bei einer in westlichen Industrieländern üblichen Ernährung ist ein ausgeprägter Proteinmangel jedoch selten. Relevanter ist eine ausreichende Versorgung in Situationen mit erhöhtem Bedarf, etwa bei intensivem Training, im höheren Lebensalter oder während einer Erkrankung, wenn der Körper vermehrt Abwehrproteine bilden muss.

Auch bei chronisch einseitiger Ernährung, etwa bei sehr strengen Diäten mit deutlich reduzierter Kalorien- und Proteinzufuhr über längere Zeit, kann die Eiweißversorgung so weit absinken, dass die Neubildung von Immunzellen beeinträchtigt wird. In solchen Fällen ist es sinnvoller, die Gesamternährung zu überdenken, als gezielt einzelne Aminosäurenpräparate zuzuführen, da meist mehrere Nährstoffe gleichzeitig knapp werden.

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Einzelne Aminosäuren mit Bezug zum Immunsystem

Einige Aminosäuren werden in der Sport- und Ernährungswissenschaft besonders häufig im Zusammenhang mit dem Immunsystem untersucht. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über ihre grundsätzliche Rolle.

AminosäureRolle im Zusammenhang mit dem Immunsystem
Glutaminwichtiger Energielieferant für schnell teilende Zellen, darunter viele Immunzellen und die Darmschleimhaut
ArgininAusgangsstoff für Stickstoffmonoxid, das an Durchblutung und Zellkommunikation beteiligt ist
CysteinBaustein von Glutathion, einem körpereigenen Antioxidans
Threoninwichtiger Baustein der Schleimhäute, unter anderem im Darm

Diese Aminosäuren werden in der Regel bei ausreichender, proteinreicher Ernährung ohnehin ausreichend zugeführt oder vom Körper aus anderen Bausteinen selbst hergestellt. Eine Ausnahme bilden Extremsituationen wie sehr intensives Ausdauertraining, schwere Verletzungen oder Erkrankungen, in denen der Bedarf an einzelnen Aminosäuren wie Glutamin kurzfristig den Nachschub aus der normalen Ernährung übersteigen kann.

Interessant ist außerdem die Rolle von Glutamin für die Darmschleimhaut, die selbst einen großen Teil des körpereigenen Immunsystems beherbergt. Glutamin dient den Zellen der Darmwand als bevorzugter Energielieferant, weshalb eine intakte Darmbarriere indirekt auch mit einer ausreichenden Aminosäurenversorgung zusammenhängt. Dieser Zusammenhang wird vor allem in der klinischen Ernährung, etwa bei schwer kranken Patienten, untersucht und lässt sich nicht direkt auf gesunde Freizeitsportler übertragen.

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Intensives Training und vorübergehend geschwächte Abwehr

Nach sehr intensiven, langen Trainingseinheiten, etwa bei Marathonläufen oder mehrstündigem Ausdauertraining, wird im Blut häufig ein vorübergehender Abfall bestimmter Aminosäuren wie Glutamin gemessen, gleichzeitig berichten manche Studien über eine kurzfristig erhöhte Infektanfälligkeit in den Stunden bis Tagen nach solchen Belastungen. Daraus wird in der Werbung häufig abgeleitet, dass eine gezielte Glutaminzufuhr rund um das Training das Immunsystem schützen könnte.

Die tatsächliche Studienlage dazu ist gemischt. Manche Untersuchungen zeigen bei zusätzlicher Glutaminzufuhr rund um sehr intensive Belastungen leichte positive Effekte auf einzelne Immunmarker, ein eindeutiger, in allen Studien reproduzierter Nutzen für die tatsächliche Infektanfälligkeit lässt sich daraus aber nicht ableiten. Für Freizeitsportler mit moderatem Trainingsumfang ist ein relevanter Effekt zusätzlicher Aminosäurenpräparate auf das Immunsystem bislang nicht überzeugend belegt.

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Weitere Nährstoffe, die für die Immunfunktion wichtig sind

Ein isolierter Blick auf einzelne Aminosäuren greift bei der Bewertung des Immunsystems ohnehin zu kurz, da Abwehrzellen und Antikörper aus einem sehr breiten Spektrum an Nährstoffen gebildet werden, nicht nur aus Eiweißbausteinen.

Das Immunsystem ist von vielen Nährstoffen gleichzeitig abhängig, nicht nur von Aminosäuren. Vitamin D, Zink, Eisen und Vitamin C werden in der Forschung regelmäßig im Zusammenhang mit der Immunfunktion genannt, ein Mangel an diesen Nährstoffen kann die Abwehr messbar schwächen. Eine gezielte Nahrungsergänzung ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein tatsächlicher Mangel vorliegt, idealerweise nach Rücksprache mit einem Arzt oder einer Ärztin und gegebenenfalls einer Blutuntersuchung.

Ausreichend Schlaf, ein moderates statt übertriebenes Trainingspensum und eine insgesamt ausgewogene Ernährung mit ausreichend Obst, Gemüse und Protein haben für die Immunfunktion insgesamt einen größeren, besser belegten Stellenwert als einzelne Nahrungsergänzungsmittel.

Auch chronischer Stress und dauerhaft zu wenig Schlaf gelten in der Forschung als relevante Einflussfaktoren auf die Immunfunktion, teilweise mit einem größeren Effekt als kleinere Ernährungsanpassungen. Wer regelmäßig unter fünf bis sechs Stunden Schlaf pro Nacht auskommt oder dauerhaft stark belastet ist, sollte deshalb nicht nur bei der Ernährung, sondern auch bei diesen Grundlagen ansetzen, bevor gezielt zu Nahrungsergänzungsmitteln gegriffen wird.

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Was du praktisch beachten kannst

  • Eine ausreichende, über den Tag verteilte Proteinzufuhr aus verschiedenen Quellen deckt bei den meisten Menschen den Bedarf an immunrelevanten Aminosäuren.
  • Bei sehr hohem Trainingsumfang, etwa im Ausdauersport, kann auf eine ausreichende Kohlenhydrat- und Proteinzufuhr rund um lange Einheiten geachtet werden, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten.
  • Ein Mangel an Vitamin D, Zink oder Eisen lässt sich am zuverlässigsten über eine Blutuntersuchung feststellen, nicht durch bloßes Ausprobieren von Präparaten.
  • In der kalten Jahreszeit oder bei häufigen Infekten ist ein Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin sinnvoller als eine unspezifische Aminosäurenkur.
  • Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung, sondern allenfalls eine gezielte Ergänzung bei nachgewiesenem Bedarf.

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Das sagt die Forschung

Der grundsätzliche Zusammenhang zwischen ausreichender Proteinversorgung und einem funktionierenden Immunsystem ist wissenschaftlich gut belegt, besonders im Zusammenhang mit ausgeprägtem Mangel. Für die gezielte Ergänzung einzelner Aminosäuren wie Glutamin bei ansonsten normaler Ernährung ist die Studienlage dagegen deutlich uneinheitlicher. Positive Effekte zeigen sich am ehesten bei extremen Belastungssituationen wie Hochleistungssport, schweren Verletzungen oder auf Intensivstationen, weniger bei alltäglichem Freizeittraining.

Wichtig ist außerdem, das Immunsystem nicht isoliert zu betrachten. Schlaf, Stresslevel, Bewegung, Impfstatus und die Gesamtqualität der Ernährung wirken zusammen und lassen sich nicht durch ein einzelnes Nahrungsergänzungsmittel ersetzen. Wer die eigene Abwehr unterstützen möchte, sollte deshalb bei den gut belegten Grundlagen ansetzen, bevor spezifische Aminosäurenpräparate infrage kommen.

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Häufige Fragen

Stärken Aminosäurenpräparate das Immunsystem direkt?

Ein direkter, breit belegter Effekt auf die Infektanfälligkeit ist bei normaler Ernährung nicht nachgewiesen. Ein Nutzen zeigt sich am ehesten bei sehr intensiver sportlicher Belastung oder bei nachgewiesenem Mangel.

Ist Glutamin bei einer Erkältung sinnvoll?

Belastbare Belege für eine schnellere Genesung durch zusätzliches Glutamin bei einer gewöhnlichen Erkältung fehlen. Ausreichend Flüssigkeit, Schlaf und eine ausgewogene Ernährung stehen im Vordergrund.

Welche Aminosäuren sind für das Immunsystem am wichtigsten?

Grundsätzlich werden alle essenziellen und mehrere nicht essenzielle Aminosäuren für die Bildung von Immunzellen und Antikörpern benötigt, Glutamin, Arginin und Cystein werden in der Forschung besonders häufig genannt.

Kann zu viel Protein dem Immunsystem schaden?

Bei gesunden Menschen ist eine Proteinzufuhr im üblichen sportwissenschaftlichen Rahmen unbedenklich. Bei Nierenerkrankungen sollte die Proteinmenge ärztlich abgestimmt werden, mehr dazu unter Protein und Nieren.

Reicht normale Ernährung für ein gutes Immunsystem aus?

Bei den meisten Menschen ja. Eine ausgewogene, proteinreiche Ernährung mit ausreichend Obst, Gemüse und Vollkornprodukten deckt den Bedarf an immunrelevanten Nährstoffen in der Regel vollständig.

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